Neues Jahr, neues Glück

Von Forster aus wäre der nächste Track eigentlich nach Seal Rocks gegangen/gefahren. Das ist aber ein ziemlich kleiner Küstenort umgeben von Naturparks. Und da wir mitten in der Sommer-Hochsaison sind, konnten wir dort keine Unterkunft mehr bekommen, noch nicht mal mehr einen Platz für unser Zelt.

Also haben wir uns entschieden, von den Tracks abzuweichen und nach Bulahdelah zu fahren, wo wir zum Glück noch ein Zimmer bekommen konnten.

Die Strecke nach Bulahdelah ging zumindest zur Hälfte entlang des ursprünglichen Tracks, ist dann aber nach Norden abgewichen.

Und gerade dieser zweite Teil hatte es in sich, galt es doch zwei „Berge“ zu erklimmen. Von 30 m ging es auf 190 m hoch, dann wieder runter auf 30 und nochmal wieder rauf auf 130 m.

Insgesamt hatten wir auf 64 km Länge 670 Höhenmeter, was für uns Flachlandindianer schon beachtlich ist. (Wahrscheinlich lachen die süddeutschen Tandem-Kollegen darüber). Gott sei Dank war es während des Anstiegs bewölkt, so dass es nicht so heiß war.

Das größte Problem dabei war nicht der Anstieg an sich, sondern eigentlich mal wieder die Autos. Denn natürlich gab es großenteils wieder keinen richtigen Seitenstreifen und die Straße war doch recht befahren. Wenigstens war aufgrund der kurvigen, unübersichtlichen Straße die Geschwindigkeit für die Autos begrenzt, so dass die Autos entsprechend vorsichtig gefahren sind. Trotzdem konnten wir die landschaftlich schöne Strecke nicht wirklich genießen, weil wir neben der Strampelei zu sehr den Verkehr beobachten mussten. Aber wir haben es geschafft am frühen Nachmittag heile in Bulahdelah anzukommen.

Von Bulahdelah hatten wir eigentlich nicht viel erwartet. Seine 3 Motels verdankt der Ort wohl seiner günstigen Lage am Motorway — dachten wir. Tatsächlich scheint aber die Strecke, die wir gefahren sind, und auch einige umliegende Strecken, bei Motorradfahrern sehr beliebt zu sein.

Außerdem erheben sich bei dem Ort zwei Felsen in die Höhe, die Lust darauf machten, da hoch zu wandern. Und tatsächlich gab es einen Weg da hoch und es gab sogar einen GeoCache oben.

Also habe ich mich nach einer Mittagspause noch mal zu Fuß auf den Weg gemacht, während Niels sich lieber noch von der Radtour ausgeruht hat.

Das war noch eine sehr schöne Wanderung, auch wenn ich nicht bis zum Geocache gekommen bin. Dafür wurde der Weg dann doch irgendwann zu steil, schmal und geröllig. Das war mir zu gefährlich, da alleine hochzuklettern, noch dazu ohne richtige Wanderschuhe.

Einige Eindrücke von der Wanderung:

Blick vom Ort auf einen der Felsen
Anfangs war der Weg noch breit und bequem
Versteinerter Bergriese?
Eine Echse 🦎 ist mir über den Weg gelaufen und hat sich dann hier am Baum versteckt. Ist leider kaum zu erkennen.

Von Bulahdelah wollten wir zurück auf unseren ursprünglichen Track nach Tea Gardens. Allerdings bedeutete dies, ein Stück mit der Fähre zu fahren. Aufgrund einer entsprechenden Warnung auf der Internetseite mit den Tracks war mir nicht 100 Prozent klar, ob sie im Moment überhaupt fährt.

Wenn sie nicht fahren würde, hätte das bedeutet, das wir fast die ganze Strecke nach Tea Gardens auf dem Motorway zurücklegen müssten 🤮.

Nach längerer Suche im Internet habe ich schliesslich die Info gefunden, dass die Fähre am 02. Januar 24 wegen Wartungsarbeiten geschlossen ist, aber ab 03. Januar wieder pünktlich ab 8 Uhr im Einsatz sein würde. Glück gehabt, wir wollten am 03. Januar die Fähre benutzen.

Der Weg von Bulahdelah über die Fähre nach Tea Gardens war wirklich schön. Keine Höhenmeter, gut geteert, wenig Autos, landschaftlich ansprechend und auch noch schöne Plätze für Pausen.

Auf der Fähre haben wir noch ein Pärchen aus dem Münsterland getroffen, mit denen wir uns noch eine Weile unterhalten haben. Die beiden sind mit einem Wohnmobil nach Norden Richtung Cairns unterwegs.

Später haben wir noch an einem Naturcampingplatz (Dees Corner Campground) Rast gemacht. Dort hatten wir einen tollen Blick über einen der vielen Seen, an denen wir vorbei gefahren sind. Außerdem ist uns dort eine große Echse begegnet, vielleicht ein Waran?

Kamerascheu

Auf der anderen Straßenseite von dem Campingplatz gab es einen Zugang zum Meer mit toller Dünenlandschaft. Definitiv ein Campingplatz mit vielen Möglichkeiten.

Nach der Rast ging es zügig weiter nach Tea Gardens. Der einzige Nachteil der Strecke nach Tea Gardens: Sie war zu kurz. Anscheinend sind wir inzwischen doch besser trainiert. In den ersten Tagen waren wir mit so einer Strecke gut bedient.

Am nächsten Tag ging es nach Newcastle. Zunächst haben wir von Tea Gardens aus mit einer Personenfähre die Port Stevens Bay überquert. Unser Fahrrad wurde dafür auf dem Dach vertäut.

Die Fährfahrt hat eine Stunde gedauert und wir haben uns ganz nett mit unseren Sitznachbarn unterhalten. Sie waren zur Zeit mit ihrem Caravan unterwegs. Sie vermieten ihr eigenes Haus über Airbnb. Immer, wenn jemand das Haus mieten möchte, nutzen sie die Zeit und das Geld, um selbst mit ihrem Caravan in Urlaub zu fahren. Ihre persönlichen Sachen aus dem Haus bringen sie solange im Schuppen unter. Ich finde die Idee sehr gut. Ich weiß aber nicht, ob ich mein Haus an Wildfremde vermieten wollte. Aber anscheinend haben die beiden noch keine wirklich schlechten Erfahrungen damit gemacht.

Auf der anderen Seite der Stephens Bay ging es zunächst über einen sehr schönen Radweg die Küste entlang. Leider verlief aber der größere Teil der Strecke an einer Hauptstraße, zwar mit gutem Seitenstreifen, aber eben viel Verkehr und Abgase, die an uns vorbei rauschten und nicht sonderlich interessant.

Die letzten 20 km vor Newcastle hatten wir dann zusätzlich ordentlich Gegenwind und noch leichten Regen. So konnten wir die letzten 5 km schönen Radweg gar nicht so richtig genießen, weil wir doch schon langsam platt waren.

Newcastle selber ist eine größere Hafenstadt an der Mündung des Hunter Rivers. Hier blieben wir wieder 3 Nächte über das Wochenende. Im Großen und Ganzen ist Newcastle keine besonders schöne Stadt, aber sie hat doch ein paar Highlights.

Hauswand in der Nähe unserer Unterkunft
Auf dem Breakwater
Blick auf Nobbys Lighthouse
Einer der wenigen Brunnen, die wir in Australien entdeckt haben
ehemaliger Bahnhof, als hier noch Kohle abgebaut wurde.

Das beste Highlight haben wir am letzten Tag besucht, das sogenannte Bogey Hole (Kobold Loch, wobei „Bogie“ in der Sprache der Ureinwohner wohl einfach „Baden“ bedeutet). Hierbei handelt es sich um einen Felsenpool. Der Pool wurde aus einem Felsvorsprung am Fuße der Klippen heraus gehauen. Der Kommandant von Newcastle befahl um 1820 den Bau dieses Pools durch Sträflingsarbeiter für seinen eigenen Gebrauch. Um 1860 wurde der Pool der Allgemeinheit zum Baden zur Verfügung gestellt. Natürlich musste auch ich einmal hineinhüpfen.

Auf dem Weg zum Bogey Hole
Von oben gesehen: Eine Welle überschwemmt das Bogey Hole
Diese hoch spritzenden Wellen sind die eigentliche Attraktion
Beweis: ich war auch dort🌊

Erkenntnis:

– Es ist schön, wenn man sich in der eigenen Sprache unterhalten kann.

– Es ist immer wieder interessant zu hören, wie andere ihr Leben gestalten.

4 Kommentare zu „Neues Jahr, neues Glück“

  1. Eben angekommen euer toller Bericht ,und die vielen tollen Fotos. Auch wenn meine Augen sie nur unscharf erkennen ,ich genieße euern Bericht. Jetzt müssen wir den Finn anrufen Liebe Grüße Mama und Papa

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  2. Ihr habt es gut, planscht in der Bogey Hole bei strahlendem Sonnenschein und in Elmshorn schneit es. Heute morgen war ich An der Kämpe. Der Gehweg war aber schon geräumt. Also: Keep rubberside down!

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      1. Hallo Irmgard, vielen Dank. Wir wünschen euch auch alles Gute. Hier liegt bestimmt 10 cm Schnee. Die Temperaturen schwanken um null Grad, so dass der Schneematsch noch einige Tage liegen bleiben wird.
        Viele Grüße auch an Hans-Peter von Dilbar und Jens

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